Social Hypertext Reader & Interactive Mapping Platform – kurz SHRIMP – ist der Titel eines Lehr-Lern-Experiments, das im Wintersemester 2015/16 am Institut für Amerikanistik der Universität Leipzig begonnen wurde: Das Lehrmaterial eines Seminars wird als Social Hypertext umgesetzt und über eine digitale Online-Platform in das Lehrangebot integriert.

Im SHRIMP-Hypertext sind die ursprünglichen Seminartexte in Abschnitte unterteilt, welche über kommentierte Links miteinander vernetzt wurden. Anstatt als traditionelle Loseblattsammlung lesen die Studierenden die Seminartexte online auf einer Social-Media-Plattform, wo sie die Inhalte entdecken, individuell erschließen und gemeinsam diskutieren.

Ziel des SHRIMP-Experiments ist es, die Potenziale von nicht-linearem Text in einer kollaborativen Online-Lernsituation zu untersuchen und zu entwickeln. Mit der Plattform wollen wir ein zeitgemäßes Medium schaffen, das einen individuellen, kreativen Leseprozess ermöglicht und gemeinschaftliches Lernen fördert. Es soll die Hochschullehre besonders in den Geisteswissenschaften bereichern.

Der im Sommersemester 2015 geplante und entwickelte Prototyp wurde im Wintersemester 2015/16 erstmals im Seminar eingesetzt und von ca. 80 Studierenden genutzt. Die Mittel für diese Pilotphase stammen aus der universitätsinternen Initiative LaborUniversität. Im Sommersemester 2016 und im Wintersemester 2016/17 folgte eine Kooperations- und Didaktisierungsphase im Rahmen von Lehrpraxis im Transfer, einem Verbundprojekt des Hochschuldidaktischen Zentrums Sachsen. Beide Förderprojekte wurden im Rahmen des Qualitätspakts Lehre vom BMBF finanziert. Vom Wintersemester 2017/18 bis Ende 2018 fasste das Projekt Learning Analytics und Gamification in einer dritten Phase genauer ins Auge, welche im Rahmen des Verbundprojekt 2: Advance Learning and Examination Spaces - ALExS.sax innerhalb der SMWK-geförderten Initiative Bildungsportal Sachsen finanziert wurde. In der 2019 begonnenen vierten Phase ist SHRIMP erneut Teil des Verbundprojektes, diesmal mit einem Fokus auf Machine Learning und neuen Interaktionsmustern auf der Plattform. Updates zu dieser Phase finden sich unter dem Tag #Machine Learning auf unserem Blog.

Access Attributes: 

blackboard.png

SHRIMP ist ein Hypertext-Medium. Die Studierenden lesen den Hypertext explorativ entlang von vielfältigen Verbindungen zwischen den netzförmig strukturierten Lerninhalten. Sie folgen dabei individuellen Lesepfaden entsprechend ihren persönlichen Voraussetzungen und Lernpräferenzen.

Darüber hinaus ist der SHRIMP-Hypertext sozial und interaktiv: Die Studierenden können Lerninhalte liken und sharen, den Hypertext durch eigene Beiträge, Annotationen und Kommentare ergänzen und Verbindungen zwischen Inhalten hinzufügen. Damit erweitern sie den kuratierten Datenbestand nach und nach um diskursive Inhalte. Im Laufe des Semesters kreieren die Studierenden auf diese Weise ihren eigenen Social Hypertext.

SHRIMP als Lehrmedium ergänzt das übliche Präsenzseminar um eine zusätzliche Sozialform. Das Interagieren im netzförmigen Social Hypertext unterstützt selbstgesteuertes und selbstorganisiertes Lernen, was durch gamifizierte Interaktionen weiter gefördert wird. Diese Aktivierung der Studierenden personalisiert Lernprozesse und unterstützt die Bildung komplexer, flexibler, operabler Wissensstrukturen.

Aufgrund seines besonderen Potenzials hinsichtlich individueller Lernstrategien und -anreize ermöglicht Social Hypertext eine Binnendifferenzierung unter den Studierenden, wodurch er besonders heterogenen Lerngruppen gerecht wird. Dieser Aspekt wird seit der dritten Projektphase durch Learning Analytics verstärkt: Die Interaktionen der Studierenden mit der Plattform werden durch das Sammeln anonymisierter Metadaten ausgewertet werden, sodass die Plattform auf die Lernbedürfnisse der Studierenden personalisiert eingehen kann. Diese Metadaten werden den Studenten außerdem in Form von Statistiken widergegeben, sodass sie ihr eigenes Lernverhalten innerhalb ihres Jahrgangs reflektieren können.

Das übergeordnete Ziel bei all diesen Innovationen ist es, die didaktischen Potenziale von Hypertext besser zu verstehen, um sie für die geisteswissenschaftliche Hochschullehre zu erschließen. Was wir dabei (zum Beispiel über die Didaktischen Potenziale von Verweisen im Hypertext) lernen, bloggen wir unter dem Tag #Didaktik.

Access Attributes: 

gears.png

SHRIMP basiert auf dem Open-Source-Content-Management-Framework drupal (www.drupal.org), das die grundlegenden Funktionen und die Sicherheitsarchitektur abdeckt. Drupal ist hochgradig flexibel, weit verbreitet und gut erweiterbar.

Die Studierenden interagieren mit diesem System in erster Linie durch das SHRIMP-Interface, das zu diesem Zweck in Javascript programmiert wurde. Das Interface wurde speziell für das Lesen im netzförmig strukturierten Hypertext entwickelt und bietet eine entsprechend agile, zur Interaktion einladende Oberfläche. In Echtzeit können Kommentare, Annotationen und Verweise angelegt und Inhalte geliked werden.

Die speziell auf textbasierte Lehr-Lern-Kontexte abgestimmten Funktionen machen SHRIMP zu einem vielseitig einsetzbaren Medium, das bekannte Lernplattformen wie Moodle oder OPAL sinnvoll ergänzen kann.

Zum Thema Technologie bloggen wir unter den Tags #Interface, #Informationsdesign und #Digitalisierung.

Access Attributes: 

project.png

SHRIMP ist ein langfristig angelegtes Projekt zur Nutzung von Social Hypertext in der geisteswissenschaftlichen Lehre. In einzelnen, aufeinander aufbauenden Projektphasen verfolgt es das Ziel, ein neues Lehrmedium in den textbasierten Geisteswissenschaften einzuführen.

Die Entwicklungsphase des SHRIMP-Projekts begann mit dem Sommersemester 2015. In der Pilotphase im Wintersemester 2015/16 wurde das Medium zum ersten Mal praktisch eingesetzt und umfassend evaluiert. Zum Ende dieser Pilotphase haben wir eine Dokumentation erarbeitet, in der die konzeptuellen Grundlagen aufgearbeitet und erste Ergebnisse aus dem praktischen Einsatz festgehalten wurden. Die Dokumentation bildete die Grundlage für die darauffolgenden Projektphasen. In dieser ersten Phase wurde SHRIMP im Rahmen der Leipziger LaborUniversität gefördert.

Im Sommersemester 2016 wurde das Medium im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der TU Dresden eingesetzt und weiterentwickelt. Mittelfristig ist an beiden Standorten eine Verstetigung von SHRIMP im jeweiligen Lehrkontext geplant. Diese zweite Projektphase, die im Rahmen von Lehrpraxis im Transfer gefördert wurde, hatte unter anderem das Ziel, die didaktische Nutzung des Mediums zu verfeinern und seine grundsätzliche Transferierbarkeit in andere Lehrkontexte zu zeigen.

In den Wintersemestern 2017/18 und 2018 wurde SHRIMP im Verbundprojekt 2: Advance Learning and Examination Spaces - ALExS.sax im Rahmen der SMWK-geförderten Initiative Bildungsportal Sachsen weiterentwickelt. Ziel der dritten Projektphase war es, innerhalb der Plattform Learning Analytics und Gamification-Ansätze zu implementieren bzw. zu verfeinern. Somit werden sowohl die dritte als auch die aktuelle Projektphase durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes mitfinanziert. Die aktuelle Projektphase, welche erneut Teil des Verbundprojektes ist, beschäftigt sich mit Machine Learning, der Automatisierung von Learning Analytics, und den Interaktionsmustern der Studenten auf der Plattform.

Für die Zukunft ist eine Kooperationen mit anderen Instituten der Universität Leipzig und weiteren Hochschulen angedacht, um möglichst vielfältige Perspektiven produktiv in die Arbeit an SHRIMP einfließen zu lassen. Langfristiges Ziel ist es, ein Lehrmedium zu entwickeln, das in einer großen Breite von Fachbereichen einsetzbar ist, um konkrete Lehrangebote digital zu ergänzen.

Neuigkeiten zum Projektverlauf posten wir in unserem Blog unter dem Tag #SHRIMP.

Access Attributes: 

team.png

Das SHRIMP-Projekt wird am Institut für Amerikanistik der Universität Leipzig von einem Team aus Studierenden und Lehrenden dieses und anderer Disziplinen kooperativ entwickelt. So sollen von Beginn an möglichst unterschiedliche Perspektiven auf das digital gestützte Lernen im Hochschulkontext, didaktische Potenziale neuer Medien und das Lesen im Hypertext einfließen.

Seit Beginn des Projekts im Frühjahr 2015 haben zahlreiche Studierende (BA und MA) und Promovierende der Amerikanistik und anderer Fachbereiche in wechselnden Teams eng und umfangreich zusammengearbeitet, um das Projekt voranzubringen:

  • Carlo Becker
  • Johanna Benz
  • Natalie Bühler
  • Sarah Doberitz
  • Eric Fraunholz
  • Johannes Gemkow
  • Rebekka Haubold
  • Sebastian M. Herrmann
  • Christopher Köhler
  • Mascha Helene Lange
  • Claudia Müller
  • Julia Rabe
  • Theresa Rieger
  • Carl Roberts
  • Annika M. Schadewaldt
  • Franz Wendt
Access Attributes: